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Wirtschaftsforum Albanien in Hamburg: Perspektiven für Unternehmen durch die EU-Integration

Zum Wirtschaftsforum Albanien in Hamburg am 10. Oktober 2016 zu den wirtschaftlichen Perspektiven Albaniens im Zuge der Reformen Albaniens als EU-Beitrittskandidat begrüßte in der Hamburger Hafen-City in den Räumlichkeiten von The KLU – Kühne Logistics University als Hausherr Prof. Dr. Thomas Strothotte am 10. Oktober 2016 über achtzig interessierte Gäste aus Hamburg und der Region, aber auch aus dem Bundesgebiet. Aus Sicht der privaten Universität und seiner Studierenden hob er die Bedeutung von Bildung als Voraussetzung für den persönlichen, aber auch den unternehmerischen Erfolg hervor. Auch unterstrich er die Bedeutung von Logistik und Handel für wirtschaftlichen Erfolg und den Wohlstand. Er lud die Teilnehmer ein, aus den spannenden Diskussionen des Forums und den modernen Räumlichkeiten der Universität Impressionen für die Grenzen überschreitende Gestaltung von Handel und Logistik zu erschließen und in Chancen von Morgen umzusetzen. Anschließend begrüßte Artur Kuko, Botschafter der Republik Albanien in Berlin, die Teilnehmer und unterstrich die Bedeutung von bilateralen Wirtschaftsplattformen für den Austausch und Dialog.
 

Hans-Jürgen Müller eröffnet für die
DAW das Wirtschaftsforum.

DAW-Präsident Hans-Jürgen Müller hieß für die DAW die zahlreichen Gäste, insbesondere aus Albanien, zum Wirtschaftsforum in Hamburg willkommen. Er hob hervor, dass das Wirtschaftsforum das neunte Treffen in einer Reihe hochrangiger Wirtschaftskonferenzen zwischen beiden Länder sei. Dabei sprach er insbesondere die Fortführung der Wirtschaftskonferenz in Tirana im Jahr 2015 an, an der Premierminister Edi Rama und Bundeskanzlerin Angela Merkel als Hauptredner zu den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen gesprochen haben. Das neunte Wirtschaftsforum sei wie die vorgehenden wieder von der DAW gemeinsam mit weiteren Partnern - Verbänden, Ministerien, Botschaften - organisiert worden, deren zentrales Anliegen die Förderung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern sei.
 

DAW-Präsident Müller führte aus, dass sich die Entwicklung von Handel und Investitionen zwischen Albanien und Deutschland in den vergangenen zehn Jahren bemerkenswert entwickelt habe, aber das Potenzial bei weitem größer als die aktuellen Resultate sei. Das Forum ziele daher darauf, ungenutzte Möglichkeiten aufzuzeigen sowie Erfahrungen, aber zugleich auch Herausforderungen für ein höheres Wachstum der deutsch-albanischen Wirtschaftsaktivitäten zu diskutieren. Das Ziel auf deutscher Seite sei ehrgeizig, aber möglich, nämlich die aktuellen Zahlen von Handel und Investitionen in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln. Abschließend dankte er der Kühne Logistics Universität für ihre Gastfreundschaft in der Hamburger Hafen-City und den Freunden der DAW, die das Wirtschaftsforum freundlicherweise finanziell unterstützt haben.

Rama: Albanien mit Reformen auf dem Weg in die Europäische Union

In seiner Ansprache hob Premierminister Edi Rama hervor, dass Deutschland ein wichtiger strategischer Partner sei. Er werde daher gerne die Zusammenarbeit würdigen. Der angestoßene Berlin Prozess habe Impulse in die Region gebracht. Er führte an, dass Albanien auf allen Feldern Unterstützung erhalte, die wichtig für die Entscheidungen über die künftige Mitgliedschaft in der EU seien. Dies gelte insbesondere für die Infrastruktur, Energie sowie kleine und mittlere Unternehmen. Zu den wichtigsten Förderern zählt neben der Weltbank Deutschland. Diese stünde an erster Stelle bei den finanziellen Hilfen. Die Frage, die das Forum nun aufgreife, sei wichtig, was zusätzlich getan werden könne, um deutsche Unternehmen einzuladen, mit mehr Enthusiasmus und mehr Mut in Albanien zu investieren. Um diese von der Attraktivität Albaniens zu überzeugen, lud er ein, Albanien zu besuchen, sei es als Tourist oder sei es als Investor.
 

In seiner Ansprache machte er auch deutlich, dass Albanien heute anders als noch vor zehn Jahren sei. Dank der Unterstützung der Partner würden nun auch in den verschiedenen Regionen des Landes wirtschaftliche, technische und administrative Erfahrungen und Kenntnisse bestehen. Die albanische Regierung habe nicht nur legislativ einen attraktiven Rahmen geschaffen sondern auch die Rahmenbedingungen für den Tourismussektor attraktiver gestaltet. Albanien sei daher in diesem Sektor in die Topziele der Reisedestinationen aufgerückt. Im Tourismus liege das Wachstum um 2,5 Prozentpunkte über dem Wachstumspfad der Infrastruktur. Er sprach sich dafür aus, die Chancen zu erschließen, aber auch das nationale Kulturerbe zu bewahren. Dazu zählte er den Schutz der Landschaft als auch als Voraussetzung eine sichere Energieversorgung aus Wasserkraft, Öl und anderen Ressourcen. Zur Erschließung von Rohstoffen plädierte er, dies mit dem Auf- und Ausbau von Prozessindustrie zu verbinden und in Kraftwerke zu investieren.

Premierminister Rama in
seiner Ansprache an die Teilnehmer

 

Prof. Dr. Strothotte, Staatssekretär Beckmeyer,
DAW-Präsident Müller und Botschafter Kuko
verfolgen mit zahlreichen Teilnehmern die
Ansprache von Premierminister Edi Rama.
 

Albanien sei für Investitionen ein attraktiver Standort, so Rama weiter. Es könne für ausländische Investoren niedrige Arbeitskosten vorweisen und verfüge über ein großes Potenzial an jungen qualifizierten Menschen, die außerordentlich lerninteressiert seien. Für deutsche Unternehmen, die junge und motivierte Arbeitskräfte in ihren Prozessen benötigten, sei Albanien interessant und könne dazu beitragen, die Klagen von deutschen Unternehmen über fehlende Arbeitskräfte zu lösen. Weiterhin verwies er darauf, dass Albanien in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in den Tourismus getätigt habe, um auch hohe Qualitätsansprüche zu erfüllen.

Er lud daher ein, die Potenziale des Tourismus in Albanien auch von deutschen Unternehmen stärker zu nutzen und sich nicht nur auf Rucksackreisende zu konzentrieren. Albanien habe für alle Reisenden viel zu bieten. Neben der Gastfreundlichkeit gelte dies insbesondere für die die reizvolle Küste, die vielfältige Berglandschaften sowie die zahlreichen Kulturstätten.


 

Mit Blick auf die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie das Engagement internationaler, europäischer und deutscher Institutionen sprach er seinen Dank für die Unterstützung der Modernisierung Albaniens und der Begleitung auf dem EU-Integrationsweg aus. Er unterstrich dabei insbesondere die Bedeutung des Berlin Prozesses, den Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel 2014 initiiert habe. Vor diesem Hintergrund sprach er an, dass Investoren bedenken sollten, dass, wenn sie in Albanien investieren, nicht in einem kleinen Land investieren, sondern die Perspektiven der regionalen Märkte mitberücksichtigen müssten.

Beckmeyer: Zusammenarbeit zwischen Albanien, Deutschland und Europäischer Union für Impulse in der Region stärken

Für die Bundesregierung würdigte Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Berlin, das politische und wirtschaftliche Engagement Albaniens für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Er hob dabei die Bedeutung des Tagungsortes mit seiner maritimen Infrastruktur und Logistik hervor. Insbesondere würdigte er das Logistikunternehmen Kühne & Nagel als einer der Pioniere beim Engagement in Albanien. Bilateraler Handel sei ohne Häfen, Seefahrt und Logistik nur schwerlich zu bewerkstelligen.
 

Unter diesem Vorzeichen hob er zu den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Albanien hervor, dass bereits in den ersten sieben Monaten des Jahres 2016 genauso viele Waren ausgetauscht worden seien wie im gesamten Jahr 2015. Bis Ende 2016 werde eine neue Rekordmarkte erreicht werden, so Staatssekretär Beckmeyer. Dies sei eine gute Nachricht, hinter denen viele konkrete Projekte und gemeinsame Anstrengungen steckten. Im deutschen Export seien die Röhrenlieferungen für die Trans-Adriatic-Pipeline ein wichtiger Faktor, bei denen auch deutsche Logistikunternehmen im Hafen von Durres eine wichtige Rolle spielen. Mit Blick auf die maritime Wirtschaft hob er hervor, dass die Bundesregierung das strategische Zusammenwirken deutscher Unternehmen und des Hafens Durres begrüße. Die Bundesregierung sehe in den jüngsten Entwicklungen eine gute Chance, die Basis für eine zukunftsfähige und nachhaltige Zusammenarbeit zu legen.
 

Staatssekretär Uwe Beckmeyer vom BMWi
eröffnet für die Bundesregierung das
Wirtschaftsforum in Hamburg.

Er hob positiv hervor, dass auch die Lieferungen aus Albanien nach Deutschland wachsen und zur dynamischen Entwicklung beitragen. Eine Steigerung der albanischen Exportkraft sei ein entscheidender Beitrag zu Wohlstand und Prosperität im Lande. Die Bundesregierung würde diese Entwicklung auf drei Ebenen unterstützen: Zum einen im Rahmen des sog. Berlin-Prozesses, mit dem die EU-Annäherung der Westbalkanstaaten politisch begleitet und zugleich die infrastrukturelle Anbindung an den EU-Binnenmarkt verbessert werde soll. Als Stichwort verwies er hierzu auf den „Blue Highway“, die geplante Autobahnverbindung von Kroatien über Montenegro nach Albanien. Zum zweiten sprach er das Instrumentarium der deutschen Außenwirtschaftsförderung wie Exportgarantien und Investitionsgarantien an. Im Bereich des Kammernetzwerkes des DIHK werde die Bundesregierung für den Westbalkan die eingesetzten Gelder weiter erhöhen. Und schließlich würden spezifische Maßnahmen zur Förderung des bilateralen Warenaustausches in unterschiedlichen Bereichen, wie z. B. Energieeffizienz oder die Einkaufsinitiative der deutschen Wirtschaft fortgesetzt. Die Entscheidung über Investitionen und Arbeitsplätze liege aber bei den Unternehmen selbst. Deswegen seien die Investitionsbedingungen im Partnerland ein wichtiges Entscheidungskriterium.

Staatssekretär Beckmeyer begrüßte vor diesem Hintergrund ausdrücklich, dass Premierminister Rama erneut nach Deutschland gekommen sei, um bei deutschen Unternehmen für den Standort Albanien zu werben. Zugleich räumte er ein, dass er die deutsch-albanischen Wirtschaftsbeziehungen trotz der zu erwartenden Rekordmarke für ausbaufähig halte. Ein Vergleich in der Region zeige, dass es noch ungenutzte Potenziale gebe. So betrage der Warenaustausch mit dem benachbarten Mazedonien das Zehnfache des bilateralen Handels mit Albanien.
 

Premierminister Rama und Staatssekretär
Beckmeyer in der Diskussion unter Beteiligung des Auditoriums

 Es bestehe aber die feste Überzeugung, dass deutsche Unternehmen eine starke Position in Albanien aufbauen können. Er würdigte in diesem Zusammenhang die kontinuierliche Arbeit und vielfältigen Aktivitäten der Deutsch-Albanischen Wirtschaftsgesellschaft (DAW) und der Deutschen Industrie- und Handelsvereinigung in Albanien (DIHA) und sprach auch den Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft und den Deutschen Industrie- und Handelskammertag an. Ganz besonders hob Staatssekretär Beckmeyer hervor, dass beim Besuch der Bundeskanzlerin in Tirana Anfang Juli 2015 Albanien eine strategische Partnerschaft mit der deutschen Wirtschaft auf gleicher Augenhöhe angeboten worden sei. Die Bundesregierung stehe auch weiterhin zu diesem Angebot, ebenso die Verbände der deutschen Wirtschaft. Er tat dies mit Blick darauf, dass durch das Engagement deutscher Investoren zukunftsfähige Wirtschaftsstrukturen und nachhaltige Arbeitsplätze in Albanien gesichert werden können. Die Politik in Albanien sollte diesen Prozess auf allen Verwaltungsebenen unterstützen und Anzeichen von Korruption und persönlicher Vorteilsnahme konsequent bekämpfen.


Zur EU-Annäherung Albaniens führte er anschließend aus, dass Deutschland Albanien auf diesem Weg als Freund mit Rat und Tat, aber auch mit helfender Kritik begleite. Vor diesem Hintergrund begrüßte er ausdrücklich das starke Bekenntnis Albaniens zu einer Reformagenda. Die Zustimmung zur Verleihung des Kandidatenstatus für Albanien im Juni 2014 sei Ankerkennung und Ansporn zur Fortsetzung der Reformen zugleich. Die Verabschiedung der Justizreform im Juni 2016 sei ein wichtiger weiterer Meilenstein gewesen. Das Tempo und die Konsequenz der Umsetzung dieser Reform werden maßgeblich die für November 2016 erwarteten Länderberichte der EU-Kommission und die Diskussionen hierzu prägen.

Die aktive Unterstützung der regionalen Zusammenarbeit auf dem Westbalkan durch die albanische Regierung werde von der Bundesregierung begrüßt, so Staatssekretär Beckmeyer weiter. Im Rahmen des Berlin Prozesses seien viele Initiativen der regionalen Zusammenarbeit maßgeblich vorangebracht worden. Als Beispiel verwies er auf das gegründete Regionale Jugendwerk RYCO, das seinen Sitz in Tirana habe. Die Fortschritte in der regionalen Zusammenarbeit und des Dialoges mit der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten seien ein gutes Signal für potenzielle Investoren und die Entwicklung der demokratischen Institutionen in Albanien.

Zu den künftigen Schwerpunkten der Zusammenarbeit verwies Staatssekretär Beckmeyer auf ein breites Spektrum an Bereichen, in denen deutsche Unternehmen an einer Zusammenarbeit interessiert seien. Er führte hierzu unter anderem Umwelt und Energie, Infrastruktur sowie Tourismus an. Vor allem führte er aber zwei Aspekte besonderes aus. So verwies er darauf, dass die deutsche Wirtschaft über weltbekannte und sehr leistungsstarke Großunternehmen verfüge, die deutsche Wirtschaft aber auch besonders von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt sei. Diese seien auch in kleinen Märkten präsent und garantieren langfristige Kooperationen zwischen gleichberechtigten Partnern. Hierin sah er einen wichtigen Ansatzpunkt für den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen ebenso wie in der Stärkung des dualen Berufsbildungssystems. Er regte an, gemeinsam mit den Unternehmen die Ausbildung albanischer Fachkräfte zu fördern, um so dem zukünftigen Bedarf entsprechen zu können und jungen Menschen einen guten Start ins Berufsleben zu ermöglichen.

Abschließend bekräftigte er seine Zuversicht, dass die Wirtschaftskonferenz einen weiteren Beitrag für die vertiefte und auf konkrete Projekte zielende Zusammenarbeit zwischen deutschen und albanischen Unternehmen leiste. Er kündigte an, dass die Bundesregierung weiter ein besonderes Augenmerk auf die Beziehungen mit Albanien legen werde, weil Deutschland die Entwicklung unterstützen und an ihr teilhaben wolle.
 

Offene Diskussion unter Freunden unterstreicht großes Interesse an konkretem Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen

In der anschließenden Diskussion von Premierminister Edi Rama und Staatssekretär Uwe Beckmeyer, moderiert von DAW-Präsident Hans-Jürgen Müller, wurde die Frage nach der Einbindung der Wirtschaft in den Berlin Prozess aufgeworfen. Staatssekretär Beckmeyer erwiderte hierauf, dass Politik und Wirtschaft beider Länder zusammenarbeiten sollten und es dabei wichtig sei, alle Partner zusammenzubringen. Premierminister Rama merkte an, dass die deutsche Politik auf die Übermittlung von Botschaften ausgerichtet sei und es ein langer Weg sei, aber am Ende eine Mitgliedschaft in der EU stünde.
 

Premierminister Rama und Staatssekretär Beckmeyer
diskutieren unter Moderation von DAW-Präsident Müller
über die Reformen in Albanien.
 

Er hob als Ziel hervor, dass es wichtig sei, nicht nur die Infrastruktur sondern auch Güter und Menschen miteinander zu vernetzen. Aus albanischer Sicht sei daher die Herausforderung wichtig, die Frage der Finanzierung von großen Projekten zu lösen. Er äußerte seine Empfehlung, hierzu Projekte in Form von Private Public Partnership umzusetzen und schlug vor, mit der Kanzlerin zu besprechen, was Deutschland hierbei tun könne. Er unterstrich, dass es nicht alleine ausreiche, Geld zu geben, sondern dass Ressourcen mit Geschäften zusammengeführt werden müssten, um die Infrastruktur zu modernisieren.

Im Berlin Prozess sieht er eine wichtige politische Initiative, um auch wirtschaftliche Strukturen zu schaffen, die jungen Menschen eine Perspektive geben. Wenn junge Menschen keine Perspektiven sehen würden, würden sie dort hingehen, wo sie eine Perspektive für sich sehen, so Rama weiter. Der Berlin Prozess sei daher auch ein wichtiger Beitrag, einer dadurch motivierten Wanderung vorzubeugen. Albanien trete dafür ein, den Prozess zügig weiterzugehen, damit die Menschen Veränderungen sehen. Er nannte als Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung voranzubringen, damit Albanien EU-fähig werde. Dies setze voraus, dass die Staaten der EU den Berlin Prozess über die angelegten drei Jahre hinaus weitergehen. Wichtig seien attraktive Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen dahingehend, dass diese sich sicher fühlen. Die Rahmenbedingungen vor Ort würden kontinuierlich verbessert. Erfreulich sei, dass der Reformprozess greife. Es gebe daher keinen Anlass für Unternehmen, nicht in Albanien zu investieren.
 

Zum Vorschlag, den Berlin Prozess durch ein EU-Wirtschaftsprogramm zu unterstützen, wurde auf die regionale Zusammenarbeit hingewiesen. Dieser werde einen zusätzlichen Impuls setzen. Einzelne Länder seien zu klein; an Investitionen, Handel und Dienstleistungen interessierte ausländische Unternehmen brauchen entsprechend große Märkte, so DAW-Präsident Müller. Staatssekretär Beckmeyer erwiderte, dass die regionale Zusammenarbeit zunächst eigenständige Aufgaben der jeweiligen Staaten sei. In diesem Rahmen könnte allerdings innerhalb des Balkans ein Infrastrukturplan für die Region erarbeitet werden.

Premierminister Rama äußerte, dass die albanischen Reformen eine schnelle Angleichung an die Europäische Union anstreben. Die Modernisierung durch Reformen brauche Zeit, allerdings müsse gleichwoh Initiative gezeigt werden, um die Bürger nicht zu enttäuschen. Mit Blick auf die Hoffnung der Menschen nach besseren Lebensbedingungen äußerte er dagegen sein Unverständnis gegenüber populistischen Strömungen in Deutschland, die Europa und der EU-Integration kritisch gegenüber stehen. Er begrüßte ausdrücklich für Albanien den Weg über Reformen nach Europa und die Unterstützung, die Albanien durch die Europäische Union auf diesem Weg erfahre.

Im Weg nach Europa sieht er für Albanien wichtige Perspektiven. Als Beispiel nannte er den sog. „Blue Highway“. Damit sei die Erwartung an einen höheren Tourismus in der Region verbunden. Anreisemöglichkeiten mit dem Flugzeug bestehen zwar auch, hätten aber nicht die gleiche Bedeutung. Auch verwies er auf die damit verbundene Bedeutung für die Logistik. Ein Scheitern dieses Projektes wäre ein großes Scheitern für Europa im Ganzen, so die Bewertung von Premierminister Rama.

Staatssekretär Beckmeyer merkte an, dass auch die Bundesregierung die Lücke zwischen den Vereinbarungen und der Umsetzung des Berlin Prozesses sehe. Auch teile er die Auffassung, dass es in Brüssel an einem Ansprechpartner für den täglichen politischen Dialog fehle. In der Umsetzung nach dem top down-Prinzip dürfe das Projekt nicht in der Bürokratie verloren gehen. Staatssekretär Beckmeyer sagte für die Bundesregierung und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die Unterstützung für dieses Projekt zu und hob hervor, dass das Projekt laufen werde, nicht nur auf dem Papier. Er schlug vor, sich an die Botschaften zu wenden, um im direkten Kontakt mit der EU-Bürokratie, der Europäischen Investitionsbank (EIB) die Finanzierung zu klären und einen direkten Dialog zu diesem Projekt zu starten.

Premierminister Rama zeigte sich erfreut über den Optimismus zu diesem Projekt und schlug vor, die EU-Vertretung in Tirana als Koordinator zu benennen, um Projekte zu identifizieren und den Institutionen vorzulegen. Staatssekretär Beckmeyer unterstützte den Vorschlag.

DAW-Präsident Müller dankte abschließend Premierminister Edi Rama und Staatssekretär Uwe Beckmeyer für die klaren und offenen Worte unter Freunden. Er brachte zum Ausdruck, dass die politische Diskussion möglichst viele weitere konkrete Projekte nach sich ziehen möge. DIHA-Präsident Rolf-Castro-Vasquez unterstrich dies in Wort und Film mit einem Hinweis auf die vielfältigen Attraktionen, die Albanien für Unternehmen und Touristen hat. Im Rahmen der sich anschließenden Gespräche anlässlich eines Ausklangs im Foyer der Kühne Logistics Universität wurde übereinstimmend mit vielen Teilnehmern, vor allem Unternehmensvertretern, festgestellt, den politischen Dialog mit der Vorstellung von Best-Practice-Unternehmensbeispielen während des öffentlichen Forums der DAW anlässlich des albanischen Nationalfeiertages am 28. November 2017 in Berlin fortzuführen.