Wirtschaftsentwicklung

In den 1990er Jahren galt Albanien mit einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 600 EUR noch als das ärmste Land Europas. Seit den 2000er Jahren verzeichnet Albanien jedoch erhebliche Fortschritte bei der Modernisierung seines politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systems. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt inzwischen fast 5.000 EUR.

Die Annäherung an die Gesetzgebung der Europäischen Union leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Landes. Im Oktober 2020 stimmte die EU-Kommission der Eröffnung von Beitrittsverhandlungen zu.

Wesentliche Fortschritte wurden in den letzten 20 Jahren zum Aufbau einer neuen Infrastruktur insbesondere im Straßen- und Autobahnbau, zur Renovierung Förderanlagen der Mineralienressourcen, zur Nutzung der Wasserkraft für die Energieerzeugung, zum Ausbaus der elektrischen Netzstruktur und zur Entwicklung eines vorteilhaften Produktionsstandortes unternommen.

 

Wirtschaftsstruktur

 Albanien verfügt über eine Vielzahlung von natürlichen Ressourcen, deren Abbau oder Nutzung in den letzten 20 Jahren intensiviert wurde:

Erdöl, Erdgas, Kohle, Bauxit, Chromit, Kupfer, Eisenerz, Nickel, Salz, Holz, Wasserkraft

Die Landwirtschaft trägt 18;6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, beschäftigt aber über 36 Prozent der Arbeitskräfte (Weltbank, 2020). Der Grund liegt darin, die Landwirtschaft unter stark fragmentiertem Landbesitz und begrenzter Anbaufläche leidet und ein Teil der albanischen Landwirtschaft auf Subsistenzstufe funktioniert. Gleichzeitig haben sich jedoch auch sehr dynamische landwirtschaftliche Bereiche und Betriebe entwickelt. Hervorzuheben ist der Weinbau, der inzwischen eine breite Palette albanischer Weine auf den Markt gebracht habt.

 Die landwirtschaftliche Produktion konzentriert sich auf:

Weizen, Mais, Hafer, Kartoffeln, Gemüse, Oliven, Obst, Oliven, Olivenöl, Zitrusfrüchte Tabak, Obst, Reben, Weinanbau, Viehzucht (Schafe/Ziegen) und Milchprodukte.

Der Industriesektor erwirtschaftet rund 20 Prozent des BIP des Landes und beschäftigt 20 Prozent der aktiven Bevölkerung. Der Sektor konzentriert sich auf die Bereiche Bau, Bergbau, (Wasser)-Energie, Zement, Öl-Förderung, Bitumenproduktion, Holzverarbeitung, Lebensmittelverarbeitung, chemische Produkte, Textilien und Schuhe sowie elektronische Bauteile (Kabelkonfektion).

Der Dienstleistungssektor macht 48,6 Prozent des BIP aus und beschäftigt 43,7 Prozent der Arbeitskräfte in Handel, Transport, Gastgewerbe und Tourismus. Letzterer macht inzwischen mehr als 20Prozent des albanischen BIP aus.

Wirtschaftssektoren 2020

Landwirtschaft

18,6 % Anteil am BIP
36,1 % der Beschäftigten

Industrie

21,1 % Anteil am BIP
20,2 % der Beschäftigten

Dienstleistungen

48,6 % Anteil am BIP
43,7 % der Beschäftigten

Aktuelle Wirtschaftslage

Zwei Ereignisse haben dem konstanten Aufschwung der albanischen Wirtschaft einen empfindlichen Rückschlag versetzt.

Am 26. November 2019 wurde das Land in der Nähe der Stadt Durrës von einem verheerenden Erdbeben getroffen. Als Reaktion darauf wurde im Februar 2020 eine Geberkonferenz in Brüssel organisiert und rund 1 Milliarde Euro von Ländern und internationalen Finanzinstitutionen zugesagt.

Inmitten dieser Wiederaufbaubemühungen erhöht die COVID-19-Krise den Druck auf das Budget und die Reaktion der Regierung.

Die Wirtschaftskrise, die durch die Covid-19-Pandemie verursacht wurde, hat das Wachstum deutlich reduziert und zu einem negativen Wert von -7,5Prozent des BIP im Jahr 2020 geführt. Hier spiegelt sich der große Anteil des Tourismus an der gesamten Wirtschaftsleistung wider, der inzwischen rund 20 Prozent beträgt. Im Juli 2020 sank die geschätzte Zahl der ausländischen Touristen um 61,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Überweisungen der Auslandsalbaner gingen 2020 zurück.

Die Prognosen von IWF und Weltbank für die Jahre 2021/2022 sind jedoch positiver und liegen bei rund 5 Prozent BIP-Wachstum/Jahr, vorbehaltlich der Erholung der Weltwirtschaft nach der Pandemie.

Nach Angaben des IWF macht die Staatsverschuldung im Jahr 2020 83,3 Prozent des BIP aus, was aufgrund der Covid-19-Krise deutlich über dem Niveau von 2019 liegt.  Nach den Schätzungen des IWF vom Oktober 2020 wird sie 2021 voraussichtlich stabil bei 83,2Prozent bleiben und 2022 auf 77,1Prozent sinken.

Die Inflationsrate lag im Jahr 2020 stabil bei 1,4 Prozent. Es wird erwartet, dass sie laut dem letzten IWF World Economic Outlook (Oktober 2020) leicht auf 1,7 Prozent im Jahr 2021 und 2,4 Prozent im Jahr 2022 ansteigen wird.

Die albanische Währung Lek (ALL) wurde zu Beginn der Pandemie um fast 7 Prozent abgewertet. Seitdem hat sich der Lek jedoch gefestigt und erreichte im 4. Quartal 2020 den Durchschnittskurs von ALL 123,7 pro Euro, was nur 1,9 Prozent über dem Jahresdurchschnitt des letzten Jahres 2019 liegt (OECD).

Durch die Covid-Pandemie glitt die albanische Wirtschaft in eine Rezession, ausgelöst durch den gleichzeitigen Rückgang der Investitionen, des privaten und des öffentlichen Konsums sowie eines starken Einbruchs der Exporte um 35 Prozent.

Die in den letzten Jahren wachsende Tourismus-Industrie, die dabei war, neue Kapazitäten – Hotels, Resorts – aufzubauen erlitt ebenfalls massive Einbrüche.

Der Exportrückgang erklärt sich durch Albaniens großen Export-Anteil nach Italien (48 %), der im zweiten Quartal 2020 um 18 Prozent zurückging.

2020 beträgt das Leistungsbilanz-Defizit -11,7 %. Zuversichtliche Prognosen gehen für 2021 von einem moderateren Defizit von - 8,5 % aus.

Die Rezession hat sich aufgrund einer Verbesserung des Investitionswachstums von 4,1 % im Jahresvergleich verlangsamt, was auf die jüngsten Bauprojekte nach dem Erdbeben im November 2019 zurückzuführen ist.

Das Jahr 2020 zeigte eine nachhaltige Verschlechterung des Arbeitsmarktes mit dem Verlust von 34.000 Arbeitsplätzen. Eine leichte Verbesserung wurde im dritten Quartal 2020 festgestellt, da sich die Bedingungen für Unternehmen verbesserten. Die Arbeitslosigkeit erreichte aufgrund der negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 ein Rekordtief von 11,8 % und wird voraussichtlich leicht auf 11,5 Prozent im Jahr 2021 und 11,3 Prozent im Jahr 2022 sinken.

Albanien gehört trotz der großen Erfolge der Wirtschaftsumgestaltung zu den armen Ländern in Europa. Die Weltbank schätzt, dass die Armutsrate im
April 2020 bei 37 % lag. Ein großer Teil des BIP (schätzungsweise ca. 50 %) entfällt nach wie vor auf die Schattenwirtschaft, was die wirtschaftliche Reformagenda behindert.

Trotz der schwierigen Situation beschloss die Europäische Kommission im Oktober 2020 die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Albanien, forderte allerdings Reformen in den fünf Prioritäten: Justizreform, Bekämpfung der organisierten Kriminalität und Korruption, Reform der öffentlichen Verwaltung sowie bei Menschenrechtsfragen. 

Quelle: IMF

Wirtschaftliche Indikatoren

2018

2019

2020*

2021*

2022*

BIP (Mrd. USD)

15,15

15,28

14,03

14,76

16,13

Wachstum (%)

4,1

2,2

-7,5

6,1

5,8

BIP/Kopf (USD)

5.278

5.324

5.041

5.250

5.600

Staatsverschuldung (in % des BIP)

69,5

67,7e

83,3

83,2

77,1

Inflationsrate (%)

2,0

1,4

1,4

1,7

2,4

Arbeitslosenquote (in % der Erwerbsbevölkerung)

 

12,3

11,5

11,8

11,5

11,3

Leistungsbilanz (in Mrd. USD)

-1,02

-1,17*

-1,64

-1,26

-1,30

Leistungsbilanz (in % des BIP)

-6,8

-7,6*

-11,7

-8,5

-8,1

* Schätzung
Quelle: IMF - Internationaler Währungsfond